Samstag, 21. Juli 2018

[Rezension] Was ihr nicht seht - Nuala Ellewood

Kate ist eine mutige Frau, die als Kriegsreporterin kein Risiko scheut. Ihre Vergangenheit an der südenglischen Küste hat sie lange hinter sich gelassen. Erst als ihre Mutter stirbt, kehrt sie zurück nach Herne Bay, wo ihre Schwester Sally noch immer lebt. Aber Kate spürt vom ersten Tag an, dass die Heimkehr unter keinem guten Stern steht. Sie hat furchtbare Albträume und hört Stimmen, die ihr keine Ruhe lassen. Und so glaubt ihr auch niemand, als sie meint, die Schreie eines Jungen aus dem Nachbargarten zu hören. Doch Kate will der Sache auf den Grund gehen – nicht ahnend, dass sie und ihre Schwester dadurch in tödliche Gefahr geraten …
Verlag: Goldmann | Preis: 12,00€  | Seiten: 416 | Erschienen: 16.4.18
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Als jemand, der keine Thriller liest und zwar wirklich nie, geschweige denn Psychothriller war dies eine krasse Erfahrung.
Abseits von allem in dem ich mich wohl fühle ein Buch zu lesen und es dann auch noch großartig zu finden war für mich unvorstellbar.
Man ist ja oftmals festgefahren. Doch dieses Buch und der Schreibstil dieser Autorin hat mich über alle Grenzen, über die Wohlfühlzone hinaus getragen und mir etwas neues gezeigt, etwas, das ich trotzdem toll finden kann.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es mich emotional stellenweise wirklich kalt gelassen hat, was vielleicht daran lag, dass Kate recht kalt wirkte. Sie wirkte abgeklärt und oft mechanisch. Kein Wunder, wenn man bedenkt was sie für einen Job ausübt. Es hat mich ziemlich verstört und geschockt mit Kate, ihrer Arbeit und den daraus hervor gehenden Alpträumen konfrontiert zu werden. Es war das Grauen und es wurde lebendiger je mehr ich vom Buch las. Aber aufhören ging auch nicht.
Nie hätte ich vermutet was sie hier verbirgt, dort wo man es nicht sieht. Und der leiseste Verdacht wurde wieder über den Haufen geworfen, weil etwas geschah, was mich auf andere Gedanken brauchte. Ich habe gerätselt, wie all das sein kann, was passiert hätte sein können.




Doch meiner Meinung nach hat dieses Buch die Bezeichnung Psychthriller nicht ganz erfüllt, nicht weil es schlechter ist sondern weil es mehr als das ist. Es ist viel mehr Drama, es ist viel mehr Tragödie, als man im ersten Moment denkt. Es geht viel tiefer und dringt wirklich ganz bis in die Psyche des Lesers vor, aber auch ins Herz. Denn man ist zwar Teil einer Story die abwegig erscheint, aber auch Teil von etwas das wirklich in der Welt passiert. Kate ist Kriegsreporterin, sie berichtet genau dort, wo alles stattfindet. Mittendrin. Wir sehen es ständig im Fernsehen oder sonst wo und es ist für mich unvorstellbar direkt daneben zu stehen, unvorstellbar in einer Nacht zu schlafen während das Dorf in dem ich mich aufhalte bombardiert wird und schlimmeres. Doch das ist es was Kate tut. Und davor habe ich nicht nur beim Lesen größten Respekt gewonnen sondern auch der nackten Angst in meiner Brust ein Zuhause geboten.

Das ist nur ein Aspekt des ganzen. 
Es ist noch so viel mehr in dieser Geschichte, mehr Tragödien, Familiäre Hintergründe, die einen das Schaudern lehren und immer wieder tun sich Abgründe auf in der der Leser haltlos stürzt.
Alpträume aus denen Kate nicht aufwacht.

Das eine ging mit dem anderen Hand in Hand. Jede noch so kleine Verwicklung und Verwirrung war wichtig für das Ende. Jeder kleine Erzählstrang hat auf das Unvermeidliche hingearbeitet und dann war ein perfekt. Grausam, furchtbar und unverhofft aber perfekt. 
Keine Erfahrungen in diesem Genre die jünger als 8 Jahre sind haben mir geholfen eine ganz neue Welt in meinem Kopf zu eröffnen, die genau darauf angesprungen ist, sich für das morbide und grausame, das Drama und die Tragik in der Geschichte begeistern konnte.

Ausnahmsweise habe ich ein Buch geliebt ohne die Protagonistin besonders zu lieben.
Wie das sein kann? Warum man ein Buch liebt aber die Protagonistin nicht?
Ich habe keine emotionale Bindung zu Kate zugelassen, weil sie das auch gar nicht möglich gemacht hat. Ich hatte viel zu große Angst vor ihrem wahren Ich, weil ich bis kurz vor dem Ende immer noch nicht durch die Geschichte durchgeblickt habe. Kate ist keine Frau, die man ins Herz schließt, kein Everybodys Darling und trotzdem ist sie eine Heldin. Sie ist stark, klug und sie geht mit weit geöffneten Augen durch die Welt. Sie sieht nicht nur das Elend sondern erfährt es allein durch ihren Job am eigenen Leib und vermittelt eine geistige stärke, die einen umhaut. Selbst nach allem was die durchgemacht hat.

Dieses Buch ist unfassbar stark, aussagekräftig und wortgewaltig. 
Diese Autorin sollte man dringend im Auge behalten.





Das war der erste Eyecatcher, die Aufmachung durch die Klappbroschur folgte dann.
Aber es sieht einfach unglaublich schön aus, gar nicht wirklich wie ein Psychothriller, aber dieses Buch ist ohnehin mehr als das.
Mir gefällt das Cover extrem gut.



Beeindruckend. Wortgewaltig. Tiefgreifend.



[Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Bereitstellen des Buches, im Austausch gegen meine ehrliche Meinung]

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