Sonntag, 8. März 2020

[About] Häusliche Gewalt in Büchern / Liebe verletzt - Rebecca Donovan


Falls dich das Thema häusliche Gewalt in irgendeiner Weise triggern könnte lies diesen Beitrag bitte nicht !


''Liebe verletzt'' ist ein Buch um das ich schon ewig herum geschlichen bin, bevor ich mir dann die Trilogie gekauft habe. Irgendwas in mir hat mich gedrängt direkt dazu, zu greifen und ich kam gar nicht mehr vom Buch weg.

Hier ist der Klappentext für euch, ich werde nicht darüber hinaus spoilern.


''Liebe ist langmütig. Liebe ist geduldig. Aber Liebe ist nicht blind … … und sie sieht nicht ewig zu, wie Emma leidet.
Genau das aber macht Evan so gefährlich – wenn er die Striemen auf ihrem Rücken entdeckt und die Brandwunden auf ihren Armen … wenn er herausfindet, dass ihre Stiefmutter sie brutal misshandelt, wird er sie befreien wollen aus dieser Hölle auf Erden.
Und weil Emma das spürt, stößt sie Evan mit Nachdruck von sich. Den Menschen, dessen Liebe sie heilen könnte. Den Menschen, den sie am meisten begehrt. Weil diese Liebe sie das Leben kosten kann …''


Das Thema häusliche Gewalt finde ich sehr schwierig. Es muss thematisiert werden, aber es ist verdammt schwer. Was man im Buch miterleben muss geht an die Nieren und ja, auch an die Grenzen, die ich als Mensch, aber auch als Mama von zwei Kindern aushalten kann.

Der Faktor, dass ich selbst Kinder habe trägt natürlich dazu bei, dass mich das ganze noch mehr trifft, weil da immer die Vorstellung im Kopf ist. 



Viel schlimmer ist jedoch die Wahrheit. Allein in Deutschland gibt es mehr als Zehntausend misshandelte Kinder und ich kann nur mutmaßen, dass die Dunkelziffer sehr viel höher ist. Die brutale Realität. Genau wie im Buch gibt es einfach böse Menschen, egal was für Gründe sie glauben zu haben, es ist nie einer da, der die Misshandlung einer Person rechtfertigen würde. Und der Hass ihrer Stiefmutter, der einem in dieser Geschichte entgegen schlägt ist so bitte, so enorm, dass man kaum glauben kann, dass er sich gegen ein sechzehnjähriges Mädchen richtet. Wenigstens sollte man meinen, Emma wäre ein furchtbarer Teenager, wäre frech, würde sich nicht an Regeln halten, widersprechen und gemein sein, man hofft, dass es irgendetwas gibt, das diese Stiefmutter dazu bewegt, etwas das man greifen kann, doch da ist nichts. Selbst wenn da etwas wäre, wäre es kein Grund aber ich habe gesucht, weil ich verstehen wollte. Vielleicht war sie überfordert, wusste sich nicht zu helfen und griff zu Gewalt. Irgendwas. Aber es war schlichtweg Hass. Und dass jemand gehasst wird, weil er schlichtweg existiert ist einfach furchtbar. Das aber dieser Hass auch körperlich war habe ich unerträglich gefunden und der Grund warum Emma keinem etwas gesagt hat hat mir das Herz gebrochen.

Emma durfte nichts.
Emma hatte kein richtiges Leben.
Emma tat immer, was sie tun sollte.
Emma wurde verprügelt.
Emma wurde psychisch gequält.
Emma lebte völlig isoliert.
Emma kannte keine Liebe.
Emma hatte ein kaltes, nicht liebevolles Zuhause.

Und trotz allem hat sie sich geopfert, weil sie trotz allem dazu fähig war zu lieben. Weil das in ihr steckte, mehr als man vermuten würde, bei jemandem, der so furchtbar behandelt wurde.

Ich habe irre doll mit ihr gelitten, war verzweifelt, weil sie so verzweifelt war. Denn auch wenn sie nach außen unglaublich stark ist, ist sie trotz allem nur sechzehn, ihr fehlt ein stabiles Umfeld ohne Angst und sie mutet sich zu da ganz alleine durch zu müssen. 

Zum Glück hat Emma eine beste Freundin, sie war ihr Anker. Aber auch sie wusste längst nicht alles. Es war eine Qual, zu erleben, wie Emma täglich diesen Tanz aufführen musste nur um andere zu schützen und dabei sich selbst überhaupt nicht schützen konnte. Emmas Freundin brachte ihr etwas von dem Leben, das Emma nicht hatte und es war toll, wenn sie all dem schlimmen um sie herum entfliehen konnte.

Diese Situation, in der sie gefangen war, die gibt es Haufenweise und ich persönlich finde es ist ein schwieriges Unterfangen da überhaupt Zugang zu bekommen um als Außenstehender zu helfen. Wie würde das funktionieren? Ich bin glücklich, dass ich niemanden kenne, der sich in so einer Familiensituation befindet aber wenn es so wäre wüsste ich gerne ob und wie ich helfen könnte, denn mir fällt nichts ein. Es hat sicher wie bei anderen Überlebenden  viel mit Scham zu tun oder mit anderen Umständen. Ich finde es schlimm, dass es sowas überhaupt gibt, geben kann. Man fühlt sich machtlos. 

Was hätte ich für Emma tun können? Mir ist nichts eingefallen als genau das zu tun, was Emma auf keinen Fall wollte. Nämlich die Behörden zu informieren. Und umso mehr ich darüber nachdenke umso richtiger erscheint es mir. Als Außenstehender wohlgemerkt. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie sich ein Kind oder Jugendlicher fühlt, der Zuhause misshandelt wird. Natürlich tut die Vorstellung weh aber ich weiß schlicht nicht, wie das ist.
Allerdings bin ich zu der Ansicht gelangt, während ich gelesen habe, dass vor allem die Schule geholfen hätte. Das es dadurch nicht automatisch schlimmer geworden wäre, sondern, dass Emma wirklich geholfen worden wäre. Ob das tatsächlich immer so ist bezweifle ich leider sehr stark. 
Auch weiß ich, dass Jugendämter z.B. nicht immer sofort einschreiten und es Jahre dauern kann, bis ein misshandeltes Kind aus einer Familie heraus geholt wird. So sieht es aus. Ich hoffe inständig, dass es nicht immer so ist.

Ich bin nach wie vor beeindruckt, wie Rebecca Donavan es geschafft hat, diese Geschichte so eindringlich zu gestalten. Die Gefühle der Figuren waren so klar, so schwer. Und sie kamen an, haben Spuren hinterlassen. Sie haben etwas in meinem Kopf verändert. Und damit auch meine Augen ein Stück weiter geöffnet. Sie hat eine Geschichte erschaffen, die das Thema wirklich toll aufgegriffen hat, Auswirkungen gezeigt hat und die abstoßenden Detail hat sie nicht ausgespart, sondern ohne den Leser zu schonen geschrieben. Was absolut richtig ist, denn ''Häusliche Gewalt'' in jeglicher Form zu verharmlosen ist absolut falsch. Das darf nicht passieren.
Deshalb bin ich beeindruckt von diesem Buch. Tief.

Ob ich Band 2 lesen werde? Ja das werde ich. Aber bisher ist es für mich so, dass diese Geschichte vorbei ist. Es hat ein Ende gegeben, es ist im Grunde abgeschlossen und so fühlt es sich für mich auch noch an. Wenn dieses Gefühl vorbei geht, dann werde ich auch Band 2 und 3 lesen, noch fühle ich mich aber nicht bereit.

Um es noch mal mit klaren und positiven Worten zu sagen. Ich liebe dieses Buch auf eine dunkle, verstörende Weise.



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