Donnerstag, 19. März 2020

[Rezension] Der kleinste Kuss der Welt - Mathias Malzieu



Ich hatte den kleinsten Kuss der Welt im Théâtre du Renard verloren. Er war mir mitten in der Nacht beim Tanzen von den Lippen geglitten, als mein Blick auf ein blaues Petticoatkleid mit großen weißen Tupfen fiel. Anmut, Sinnlichkeit und Verlockung. Ein Hauch von Geheimnis. Immer, wenn ich mich ihr nähern wollte, entwischte sie mir. Nach einem getänzelten Slalom stand ich endlich der Frau gegenüber, die mich magnetisierte. Ich brachte kein Wort heraus. Aus Angst, die Flut könnte sie abermals davonspülen, küsste ich sie. Der Anflug eines Kurzschlusses. Wir berührten einander kaum. Der kleinste Kuss der Welt. Ein grelles Licht, und dann nichts. Sie war fort. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Ich hörte sie davongehen, hörte ihre Schritte verklingen. Sie war also gar nicht verschwunden, sie war bloß unsichtbar geworden! Wir hatten einander den kleinsten Kuss der Welt gegeben, und sie hatte sich verflüchtigt, abrupt wie ein Stromausfall. Ich musste sie unbedingt wiederfinden.

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Verlag: Carl's Books | Preis: 12,99€ | Seiten: 144 | Erschienen: 31.8.15

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Von diesem Buch wusste ich eine Weile nicht, was ich halten soll. Mathias Malzieu schreibt unglaublich poetisch, aber für mich war es manchmal auch ziemlich verwirrend. Es war manchmal abgedreht, verrückt und sehr fantasievoll. Ich mochte das, ich habe mich in diese bezaubernden Worte verliebt. Obwohl ich trotzdem hin und wieder nachdenken musste, wie das nun gemeint war.

Da waren so viele unglaubliche Ausschmückungen, dass es in meinem Kopf einen bunten Film mit Papageien und Maschinen und Merkwürdigkeiten gab. Das hat so viel Spaß gemacht. Mathias Malzieu findet Worte, die einen begeistern, die einen den Atem anhalten lasse aber auch Worte, die einen wehmütig machen, einen nachdenken lassen.


Ich fand die Detail so ausgeschmückt und lebendig, so farbenfroh. Malzieu erweckt Figuren zum leben, die man sich nicht einmal in seinen Träumen vorstellen kann. 

Die Geschichte handelt von Liebe, in all ihren Facetten, mit all dem Schmerz und den Erinnerungen, den Zweifeln. Es ist so eine Wortgewalt, dass ich selbst kaum Worte finde, die ich schreiben kann, weil ich dem nicht gerecht werden kann. 

Wenn ihr ein Buch lesen möchtet, das sich von allen anderen abhebt, dann lest ''Der kleinste Kuss er Welt''. Es wird euch begeistern und in eine Welt entführen, die ihr nie für möglich gehalten habt. Ihr werdet staunen, lachen, lieben. Vielleicht verliebt ihr euch genau so sehr in all die Feinheiten und Charaktere wie ich.

Ich werde mir weitere Bücher des Autors zu legen, damit ich im richtigen Moment, ganz großartige Worte lesen kann. 

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[Vielen Dank an den Carl's Book Verlag für das Rezensionsexemplar]





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